Ohne Tee geht nichts in der Türkei
Teetrinken ist seit langem Teil der türkischen Kultur. Es heißt, dass ursprünglich Tee aus China entlang der Seidenstraße in die Gegend der heutigen Türkei kam. Vielleicht ist deshalb das türkische Wort für Tee, çay, dem chinesischen Wort ‘Cha’ so ähnlich.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts, während der Zeit des Osmanischen Reiches, versuchte man, in der Türkei Tee anzubauen, jedoch erfolglos. Später, anfangs des 20. Jahrhunderts, fand man in der Gegend um Rize, im Nordosten der Türkei, die richtigen klimatischen Bedingungen. Heute ist der Teeanbau zu einem Wirtschaftsfaktor geworden, nicht nur im Inland, sondern auch für den Export.

Tee und die türkische Kultur
Tee, getrunken aus dem Teeglas, nicht einer Tasse, ist aus der türkischen Kultur nicht wegzudenken. Wo immer man ist, zunächst wird Tee angeboten, manchmal sogar ohne Aufforderung serviert.
Tee wird zu jedem Anlass serviert – von der Geburt bis zur Beerdigung – und zu jeder Tageszeit, auch vor, während und nach einer Mahlzeit. Ins erste Glas gibt man gewöhnlich zwei Stücke Zucker, der dann für einige weitere Füllungen des Glases reicht. – Fragen Sie nie nach Milch, das wäre eine Beleidigung.

Die Zubereitung des Tees
Türkischer Tee kann in einer ‘doppelten Kanne’, dem çaydanlık und demlik, oder im Samowar, türkisch semaver, zubereitet werden.
Der çaydanlık wird mit Wasser gefüllt, auf den Herd gesetzt und erhitzt. Den demlik setzt man oben drauf, gibt Tee hinein und erwärmt ihn durch das kochende Wasser im çaydanlık. Dann gießt man etwas kochendes Wasser in den demlik, lässt das Wasser im çaydanlık nur noch köcheln, den Tee 15 – 20 Minuten ziehen und verdünnt ihn dann zu açık çay, hellem und schwachem Tee oder koyu çay, dunklem und starkem Tee.
Der semaver ist ursprünglich eine russische ‘Teemaschine’, die früher mit Holzkohle oder  Petroleum beheizt wurde, heute elektrisch. Auch hier wird im oberen Teil mit wenig Wasser ein Teekonzentrat von unten erhitzt, das dann mit kochendem Wasser nach Belieben verdünnt wird.

Teegläser, keine Tassen
Tee wird aus henkellosen kleinen Gläsern getrunken, die man am oberen Rand anfasst, um sich nicht die Finger zu verbrennen. Man gibt Zucker in das Glas, ohne umzurühren, da dieser für mehrere Gläser den Tee süßen soll. Manche Teetrinker legen sich ein Stück Zucker unter die Zunge und süßen so ihren Tee.
Traditionell trinkt man türkischen Tee ohne Milch. Heutzutage gibt es jedoch viele verschiedene Teesorten, die man auf unterschiedliche Art trinkt.

‘Teeeis’ und ‘Tee-Shake’ im Sommer
Seit einiger Zeit hat sich eine neue Art etabliert, in den Sommermonaten Tee ‘zu sich zu nehmen’. Der noch heiße Tee wird zusammen mit Zucker und etwas Zitronensaft oder anderen Geschmacksgebern in eine Form gegossen. Dazu gibt man etwas Wasser und friert das Ganze in der Gefriertruhe ein. So kann man es als Speiseeis essen oder daraus ein kaltes Mixgetränk machen. Die Zeiten sind vorbei, in denen man ausschließlich schwarzen Tee, verfeinert mit Zitrone und etwas Pfefferminze, trank. Es ist jedoch nicht vorstellbar, dass der traditionelle schwarze Tee in der Türkei jemals nicht getrunken wird.